Aktuelles
Germania Düsseldorf beim Strandachterrennen in Rodenkirchen
Ein Erfahrungsbericht
Die Protagonisten: sieben GermanInnen, eine „Leihgermanin“ vom WSVD (1 Junior, 3 Studenten, 4 Masters) sowie ein Steuerlegionär, dessen „Sold“ in heimischer Flüssigwährung ausgezahlt und noch am Veranstaltungsort verkonsumiert wurde.
Und wie kam die Jungfrau zum Kinde?
Die ursprüngliche Anfrage des Veranstalters richtete sich an den Trainer und die Trainingsabteilung unseres Vereins – zunächst allerdings ohne Resonanz.
Dann kam ich ins Spiel: Zu einer runden Geburtstagsfeier auf der anderen Rheinseite eingeladen, lernte ich im Neusser Ruderverein auf der Party den Mr. Stadtachter persönlich kennen. Dieser „warb“ mich quasi für das Rennen an.
Seit meiner Frauenachter-Zeit, als ich erstmals als „Partygast“ mit einigen RBL-Frauen dabei war, hatte ich noch einen offenen Punkt auf meiner persönlichen Ruder-Bucket-List. Damals gab es leider nur den Männerachter, was ich schon seinerzeit etwas bedauerte.
Seit der „Wiedergeburt“ des Stadtachters im Rahmen der Kölner Lichter – nach der pandemiebedingten Pause – gab es im vergangenen Jahr erstmals einen Stadtachter in Mixed-Besetzung.
Obwohl ich meinen sportlichen Zenit vermutlich schon vor einiger Zeit überschritten habe, blieb der Wunsch bestehen, einmal in dieser besonderen Atmosphäre „im Sonnenuntergang gen Dom zu rudern“ – musikalische Untermalung durch Mundharmonika inklusive. Also ließ ich mich ködern …
Ich hörte mich um. Auch bei den Masters war das Interesse zunächst eher überschaubar, bei den Studenten gab es jedoch einen Antreiber und einige motivierte junge Sportler.
Der moderne Mensch gründet in einer solchen Situation einfach eine WhatsApp-Gruppe und schaut, was daraus wird. Gesagt, getan.
Die Suche nach dem Steuermann
Die erste große Schwierigkeit – neben der Mannschaftsfindung – bestand darin, einen Steuermann zu finden.
Naiv, wie ich war, dachte ich zunächst: Wer zum Steuern auf dem Rhein freigegeben ist, darf doch auch bei einer solchen Veranstaltung steuern. Weit gefehlt.
Nach einiger Recherche gelangte ich schließlich an DIE Liste mit den dafür freigegebenen Männern.
(Ja, liebe Damen: Es handelt sich tatsächlich ausschließlich um Steuermänner.)
Da ich längst nicht alle Namen kenne, kann ich natürlich nicht beurteilen, wer aus der Liste aktuell noch zur Verfügung steht. Einige Namen kannte ich allerdings durchaus aus der Vergangenheit und wusste, dass ein Einsatz heute wohl eher theoretischer Natur wäre – insbesondere der Weg zurück aus dem Boot könnte für manche inzwischen eine gewisse Herausforderung darstellen.
Die Liste der möglichen Kandidaten war also bereits etwas überschaubarer geworden. Urlaub, fehlende Praxis oder andere Verpflichtungen reduzierten die Auswahl weiter, sodass ich mich schließlich auf die mir mehr oder weniger persönlich bekannten Herren konzentrierte.
Diejenigen, die sich letztlich bereit erklärten, uns auf dem Rhein zu unterstützen, hätten durchaus in die Kategorie „erfahrene Herren des Rudersports“ gepasst. Das Durchschnittsalter der Steuermänner lag pro Trainingseinheit bei ungefähr 80 Jahren, der Median bei 82. „Ungefähr“ deshalb, weil mir das genaue Alter des jüngsten Kandidaten fehlte und uns der älteste sogar zweimal steuerte.
Das ist ausdrücklich nicht despektierlich gemeint – ganz im Gegenteil! Ich möchte an dieser Stelle meine höchste Wertschätzung für dieses Engagement und den Einsatz aussprechen. Einer der Herren ließ sogar eine Chorprobe für uns ausfallen. Und wer die körperliche Herausforderung des Steuerns eines Achters kennt, weiß, dass es hier nicht nur um gemütliches Sitzen im Heck geht.
Vielen Dank dafür!
Als kleine Nebenbemerkung bleibt lediglich die Frage, ob die „Gattung Achtersteuermann“ vielleicht langsam etwas Unterstützung bei der Nachwuchsgewinnung gebrauchen könnte.
Hätten wir im Hafen ausreichend Wasser gehabt, wäre die Steuerfrage dort vermutlich deutlich leichter zu lösen gewesen. Aber bekanntermaßen ist uns das Wasser unter dem Kiel dort bereits vor Wochen ausgegangen …
Nun zum Sportlichen
Nach der ersten Trainingseinheit dachte ich zunächst: Das können wir so nicht machen.
Mit meiner Einschätzung hatte ich allerdings die Rechnung ohne einen hochmotivierten niederländischen Vereinskollegen gemacht.
Obwohl er weder bei der ersten Trainingseinheit noch beim eigentlichen Rennen anwesend war, aber offenbar mit weitreichender Prokura über sämtliche studentischen Sponsorengelder ausgestattet war, schuf er in bester amerikanischer Manier Tatsachen:
„Ich habe uns dann mal angemeldet!“
Und damit nahm das Projekt „Fahrt“ auf.
Da uns für die Regatta keiner unserer Rhein-Steuerleute zur Verfügung stand, erhielten wir glücklicherweise Unterstützung vom Veranstalter. Eine der Mitorganisatorinnen vermittelte mir einen Steuermann, dessen sportliche Vita gleich mitgeliefert wurde und mich zunächst in ehrfürchtiges Staunen versetzte.
Na bitte – wenigstens ein Profi an Bord!
Das Rennen – und die vielen anderen Disziplinen
Das eigentliche Ereignis war ein echtes Erlebnis und alle Mühen wert.
Total nette, hilfsbereite und professionelle Organisatoren und Gastgeber, tolles Wetter und ein riesiger Strand machten die Veranstaltung zu etwas Besonderem.
Auch in der Domstadt lag der Steg teilweise auf dem Trockenen. Wie an der Nordsee mussten wir zunächst ein kleines Stück durch das „Watt“ zurücklegen.
Das Einfahren war ebenfalls besonders: Statt in einer Kribbe zu warten – die es dank Niedrigwasser ebenfalls nicht mehr gab – konnten wir stromauf und stromab immer wieder die Kölner Skyline in der untergehenden Sonne bewundern.
Neben dem eigentlichen Ruderrennen waren allerdings noch diverse weitere Disziplinen zu absolvieren:
- Wattwandern – wie bereits erwähnt.
- Kneippen bzw. Wassertreten – unfreiwillig, aber durchaus erfrischend.
- Gigboot-Slalomtragen – durch und um „herumlungernde“ Strand- und Partygäste.
- Gigboot-Strandwandern – beim Anlegen durch den Stadt-Dschungel zurück zum Bus-Shuttle und dabei die eine oder andere „Flaschenpost“ entdeckend.
- Gigboot-Surfen und Gigboot-Wellenreiten – dank persönlicher Schiedsrichterboot-Eskorte.
- Vereinsfahne schwenken – mitten in der Hochburg der Funkemariechen.
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – siehe vorherige Artikel: Reisen bildet. Auch wenn die Reise nur bis in die Domstadt führt.
Was wir bei unserem Abenteuer gelernt haben
- Steuern grundsätzlich ist doof, aber Achtersteuern macht Spaß.
(Zitat eines unserer Steuermänner.) - Auch Pfuschen am Start will gelernt sein.
Ebenfalls ein Zitat unseres Profis an Bord. Hier haben wir definitiv noch Potenzial und Luft nach oben. - Protest ist teuer: 50 Euro. Gut, wenn man einen Sponsor im Rücken hat.
- Wie man Kölsch trinken kann, ohne sich dabei von irgendjemandem – insbesondere nicht von der WDR-Kamera – erwischen zu lassen.
- Wellengang und Schaukeln von Backbord nach Steuerbord funktionieren offenbar auch in einem fahrenden Bus. Die Autorin fühlte sich dabei ein wenig an frühere Klassenfahrten und Skiclubtouren erinnert.
Und das Ergebnis?
Wer sich für das rein sportliche Resultat interessiert, kann – wie immer – die offiziellen Ergebnisse nachlesen.
Ich sage nur so viel:
Auf meine Frage an den Steuermann, wie groß denn der Abstand gewesen sei, bekam ich eine Gegenfrage als Antwort:
„Meinst du den Abstand zum Sieger oder zum Fünftplatzierten?“
Manchmal ist es vielleicht ganz gut, die Wahrheit nicht bis ins letzte Detail zu kennen.