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Nachruf auf Trude Tittgen
Eine treue Germanin, die über Jahrzehnte mit dem Ruderclub Germania verbunden blieb
Mit Trude Tittgen, geborene Gehrke, die am 22. September 2026 im Alter von 103 Jahren verstorben ist, verliert der Ruderclub Germania Düsseldorf eine außergewöhnliche Clubkameradin. Seit ihrem Eintritt im Jahr 1949 war sie der Germania eng verbunden – über Jahrzehnte, über große räumliche Entfernung hinweg und bis ins hohe Alter. Ihre Verbundenheit mit dem Verein war weit mehr als eine lange Mitgliedschaft. Sie war Ausdruck einer tiefen Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die ihr viel bedeutete und die sie ihrerseits nachhaltig geprägt hat.
Trude Tittgen gehörte zu jener Generation von Frauen, die ihren Platz im zunächst von Männern dominierten Rudersport mit Engagement, Tatkraft und einer guten Portion Humor eroberten. Die Frauenabteilung der Germania war 1938 gegründet worden. Nach den schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren half Trude entscheidend mit, das weibliche Clubleben weiterzuentwickeln und zu einer festen Größe im Verein zu machen.
Von 1950 bis 1953 war sie gemeinsam mit Hilde Hinz als Ruderwartin tätig. Ab 1960 übernahm sie zusätzlich das Amt der Sozialwartin. Von 1962 bis 1968 leitete sie die Damenabteilung. In dieser Zeit verstand sie es, aus den regelmäßigen Treffen der Damen einen engen Freundeskreis zu formen. Die legendären „Tafelrunden“ bei Wein und Kerzenlicht waren Ausdruck ihres Gespürs für Geselligkeit und Gemeinschaft. Ehemänner und Freunde waren dabei ausdrücklich willkommen. Trude hatte die besondere Gabe, Menschen zusammenzubringen und aus Bekanntschaften Freundschaften entstehen zu lassen.
Dass sie dabei durchaus schlagfertig sein konnte, bewies sie schon 1953 beim 25-jährigen Jubiläum der Frauenabteilung. Mit feiner Ironie blickte sie auf die lange Zeit zurück, in der das Rudern als reine Männersache galt. Ihre humorvolle Beschreibung des einstigen „rein männlichen Klimas“ und der später so geschätzten Germaninnen ist bis heute ein lebendiges Zeugnis ihres Witzes und ihrer selbstbewussten Haltung.
Doch Trude war nicht nur eine Frau der Geselligkeit. Sie packte an, wenn Hilfe gebraucht wurde, und unterstützte die Germania auch finanziell. Beim Aufbau des Clubhauses war sie tatkräftig dabei. Für die Leistungsruderer brachte sie aus dem Großmarkt, in dem die Familie ein Geschäft betrieb, gerne auch einmal eine ganze Kiste Orangen mit.
Auch sportlich war Trude aktiv. Bereits 1950 gehörte sie mit 670 geruderten Kilometern zu den Kilometerpreisträgern der Germania. Rudern, Wandern und gemeinschaftliche Unternehmungen gehörten zu ihrem Leben. Als sie mit ihrem Mann in die bayerischen Berge zog, trat der Rudersport zwar in den Hintergrund, doch sportlich blieb sie weiterhin unterwegs – mit Leichtathletik, Radsport und ausgedehnten Wanderungen.
Der Umzug nach Bayern bedeutete keineswegs das Ende ihrer Verbindung zur Germania. Trude lebte am Tegernsee und später in Marquartstein südlich des Chiemsees. Der Kontakt zu ihren Düsseldorfer Clubkameradinnen und -kameraden blieb über all die Jahre bestehen. Besuche, Telefonate und gemeinsame Erinnerungen hielten die Verbindung lebendig. Zu ihrem 50. Geburtstag machten sich ehemalige Weggefährtinnen sogar auf den Weg in ihre neue Heimat. Es wurde ein Wiedersehen voller Geschichten, Herzlichkeit und gemeinsamer Erinnerungen – ein Beweis dafür, dass echte Freundschaften Entfernungen überdauern.
Für ihre langjährige Treue wurde Trude vielfach geehrt. Auf die Auszeichnungen für 25, 40 und 50 Jahre Mitgliedschaft folgten die Ehrungen für 60 und 70 Jahre. Zuletzt blickte sie auf beeindruckende 77 Jahre Vereinszugehörigkeit zurück.
Noch zu ihrem 100. Geburtstag war sie voller Lebensfreude, erzählte begeistert von früheren Zeiten und freute sich über die Grüße aus Düsseldorf. „Ich war ja verwachsen mit der Germania“, sagte sie damals. Dieser Satz beschreibt ihre Beziehung zu unserem Verein vielleicht besser als alles andere.
Wir verlieren mit Trude Tittgen eine engagierte Mitgestalterin unserer Vereinsgeschichte, eine großzügige Unterstützerin und eine lebensfrohe Frau, die Menschen verbinden konnte. Ihre Spuren finden sich in den Erinnerungen vieler Clubkameradinnen und Clubkameraden ebenso wie in den Festschriften und Geschichten der Germania.
Der Ruderclub Germania Düsseldorf wird Trude Tittgen ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt allen, die ihr nahestanden.
Danke, Trude, für deine Treue, deine Tatkraft und die vielen Jahre, in denen du unsere Germania mit Leben gefüllt hast.